Im Juli 2026 erreichte den Heimat- und Geschichtsverein eine Anfrage des Energieversorgers Badenova zum ehemaligen „Milchiisli“ am alten Marktplatz. Badenova suchte eine Abbildung oder ein Foto des „Milchhiislis“ als Vorlage für eine grafische Gestaltung der dortigen neuen Trafostation.
Alle Vorstände des Heimat- und Geschichtsvereins machten sich daraufhin unmittelbar auf die Suche und nach wenigen Wochen erhielten wir dankenswerterweise ein Foto von Irene Prochnow. Auf ihrem Foto ist das „Milchiisli“ im Ausschnitt frontal abgebildet. Wann das Photo entstanden ist, ist unbekannt. Im Bild zu sehen sind von links Elisabeth Stuber, Frau Pflaume und Irene Prochnow.
Frau Pflaume war zu dieser Zeit für den Betrieb des „Milchhiislis“ und insbesondere für die Annahme der Milch zuständig.
Zur Geschichte:
Anfang des 20. Jahrhunderts versorgte der damalige Freiburger Milchhof die Stadt Freiburg mit Milch aus der Region. Dokumente zum Freiburger Milchhof aus der Zeit von 1917 bis 1942 finden sich im Stadtarchiv Freiburg. Im Jahr 1930 wurden die Freiburger Milchgenossenschaft, der Milchhof und der Milchvertrieb Hildwein zur Breisgau Milchzentrale zusammengeführt. Anfang der sechziger Jahre wurde daraus die Breisgau Milch und schließlich 2010 die heutige Schwarzwaldmilch.
Oberrotweil und die umliegenden Kaiserstuhl-Gemeinden gehörten historisch zum erweiterten Einzugsgebiet der Freiburger Molkerei. Bauern, die Milchvieh hielten, lieferten ihre Rohmilch an lokalen Sammelstellen – wie dem „Milchiisli“ am alten Marktplatz in Oberrotweil – ab. Dort wurde die Milch gesammelt, gekühlt und mit Milchsammelwagen zur Weiterverarbeitung in das Hauptwerk nach Freiburg gebracht.
Das „Milchhiisli“ bestand aus zwei Räumen: dem Anlieferraum und rechts daneben dem Kühlraum, in welchem die Milch gelagert wurde, bis sie vom Milchhof abgeholt wurde. Vor dem Eingang befand sich über die gesamte Front eine Rampe, auf der die Bauern ihre Milchkannen abstellten. Die Angestellten – wie Frau Pflaume – prüften die Qualität der Milch, wogen sie ab und dokumentierten die Anlieferung. Am Ende des Monats war Zahltag und Frau Pflaume zahlte den Bauern am „Milchhiisli“ ihr Milchgeld aus.
Oft brachten die älteren Kinder die Milch zum „Milchhiisli“, welches schnell zu einem beliebten Treffpunkt vor allem der Heranwachsenden wurde. „Meine ältere Schwester wollte immer freiwillig die Milch hinbringen und kam dann oft erst spät nach Hause…..“ so eine ältere Oberrotweilerin. Viele erinnern sich noch, wieviel Spaß die Jungen am „Milchhiisli“ hatten, so dass der Platz bald den Namen „Latschariplatz“ bekam.
Bild Irene Prochnow
Von links nach rechts:
Frau Stuber, Frau Pflaume, Irene Prochnow
Quelle Foto: Irene Prochnow
Interview mit Ingrid Schwab am 19.09.2026:
Abends brachten wir die Milch in einer Kanne zum Milchiisli. Die wurde dann abgemessen und wir haben einen Stempel auf eine Karte erhalten. Einmal am Tag wurde die Milch weggebracht und am Ende des Monats wurde das Geld ausbezahlt… Am Milchhiisli isch immer ebbis los gsi…… do hän sich die Junge troffe… Wir hatten Kühe bis in die 60er – ich musste noch Melken lernen. Manchmal hatten wir ein oder zwei Kühe. Ich hab dann immer den Schwanz angebunden, damit mir dieser nicht wegen der vielen „Mugge“ (Fliegen) um den Kopf rumflog. Die Milch kam in den Rahmtopf und dann gab es oft saure Milch, das ist wie Quark. Abends gab es Brägili mit saurer Milch – das war gut…
Wenn wir ein Kälbchen hatten, dann gab es sechs Wochen keine Milch und wir mussten die Milch dann bei Räpples holen….
Da wo jetzt der Parkplatz ist, standen ein Haus und eine Werkstatt (Das war wohl die erste Raiffaisen Werkstatt“).

